Hurra! Nicht konkurrenzfähig!
Update: Perfektes Timing. Top Old Boy Tim Jürgens schreibt in der aktuellen 11 Freunde (#81) über die DFL. Höchst interessant, schlüssig geschrieben. An meiner betont fussballromantischen Auffassung ändert das aber trotzdem nichts, denn ich zweifle nicht die Arbeitsweise der DFL an, sondern die Existenz der DFL selbst.
Heute kam das Veto des Kartellamts gegen die eher finsteren Pläne von Leo Kirchs Sirius und der Deutschen Fussball-Liga (DFL). “Nicht wettbewerbsfähig” sei man damit in Europa, klagen die Klubs, denn die teuren Beine würden auch in Zukunft einen Bogen um die Bundesliga machen. Ein Blick nach Spanien und England belehrt uns eines Besseren. In Spanien sind die Vereine restlos überschuldet, in England geben sich heuschreckige Investoren die Klinke in die Hand. Was das mit dem Sirius-Deal zu tun hat?
Erinnern wir uns: Kirch war vor Jahren schon einmal der gefeierte Star der Fernseh-Liga und riss kurze Zeit später Riesenlöcher in die Etats der Klubs, denn seine “Kirch Media” schmierte ab und Leo musste den Insolvenzverwalter bestellen. Die “schöne neue Fussballwelt” war untergegangen, die Fans lachten sich kaputt und obendrein wanderte die Berichterstattung wieder zur ARD. Im vergangenen Jahr war das alte Knautschgesicht wieder da, mit neuem Hobby (Sirius) und einem obszönen 3-Milliarden-Deal mit der DFL. Die Kosten sollte der Endverbraucher tragen, sei es mit Verzicht auf zeitnahe Berichterstattung oder mit Anschaffung einer Smartcard für Leos digitalen Gewinnmaximierungsreceiver.
Dieses Modell hat vor Jahren bereits den spanischen und englischen Fernsehmarkt geknackt. Hochklassiger Fussball findet dort unter Ausschluss einer breiteren Öffentlichkeit statt. Diese bekommt Computersimulationen und Standbilder der Partien zu sehen oder geht ins Stadion - zumindest in Spanien. In England ist selbst dieser nicht mehr bezahlbar. Ich erinnere mich noch gut an den mitleidigen Ausdruck des Verkäufers in der Londoner Victoria Station, als ich bei ihm Arsenal-Tickets kaufen wollte. Klar doch, Jungchen, lass mal Temperatur fühlen, du hast wohl die letzten zehn Jahre verpennt.
Die Entfremdung der traditionsreichen Klubs von ihren Anhängern beginnt bei der exklusiv vermarkteten Fernsehübertragung und setzt sich über die Erhöhung der Eintrittspreise fort. Schließlich, und das ist eine Grundspielart des Kapitalismus, muss es nach oben gehen, mit Umsatz, Synergie und Börsenkurs.
Auf der Insel funktioniert das noch (halbwegs), weil die Stars der Welt in die Premier League strömen. Doch wie die Herren Glazer, Gaydamak und all die Russen die Bedrohung des englischen Ligafussballs offenbart haben, so konnte man ob der medial vielbeachteten Vereinsrelaunches in Manchester oder Wimbledon einen tiefen Blick in die verzweifelten Seelen des englischen Fussballfantums werfen.
Wirklich, ein Supermodell. Da schaue ich lieber ManU, Real und Inter beim Zaubern und später bei ihrem Untergang zu, als dass ich Ronaldinho und Co. in der Bundesliga zujubele und mein Verein seine Tradition verhökert. Denn alles beginnt beim Fernsehen und endet in Plastikvereinen.
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